„Ich versuche wirklich ganz fokussiert, mich stattfinden zu lassen.”
Wie Alexa von Heyden sich immer wieder neu erfindet - und warum sie mit 48 gerade erst richtig loslegt.
Alexa von Heyden kennen viele als Influencerin. Aber hinter dem Instagram-Account steckt eine Frau, die sich schon mehrfach komplett neu erfunden hat: Journalistin, Schmuckdesignerin, Autorin, Instagram - und jetzt SOULSPORTS. Vor einem Jahr hat sie gegründet, was sie selbst am dringendsten brauchte: eine Methode, die nicht Bauch, Beine, Po heißt, sondern Bauch, Beine, Seele.
Im Gespräch erzählt Alexa, wie sie immer wieder losgelassen hat - Jobs, Karrierepläne, die Vorstellung vom richtigen Zeitpunkt. Und was es braucht, um mit sich selbst statt gegen sich zu arbeiten. Das Interview ist bei unserem Drinks & Dings Event mit Alexa am 2. Oktober im HOLD SPACE entstanden.
Alexa, du warst Journalistin, hast einen Schmuckladen aufgemacht, bist Bloggerin und Influencerin geworden - und jetzt Gründerin. Was waren deine wichtigsten Stationen?
Ich wollte früher immer zur Vogue - und bin da noch nicht mal in die Nähe gekommen. Ursprünglich war es meine Traumvorstellung, Modedesignerin zu werden. Ich habe im ersten Praktikum aber festgestellt, dass ich Zeichnen und Nähen doof finde - und so kam es irgendwie zum Journalismus. Das habe ich über zehn Jahre gemacht. Und dann hat die Welt meinen Lebenslauf verändert: der 11. September, eine Medienkrise, der Wechsel von Print zu Online. Irgendwann hatte ich mehr oder weniger einen Burnout. Mein letzter Arbeitstag bei der Bild - da saß ich auf dem Fahrrad, habe die Hände vom Lenkrad losgelassen und wusste: Ich muss da nie wieder hin, ich bin frei. Fürs Erste habe ich sechs Wochen lang bei meiner Mutter in meinem Kinderzimmer gepennt und erstmal überlegt, was ich mache.
Dann kam der Schmuck - nicht die steile Karriereveränderung, aber in dem Laden habe ich meinen zweiten Mann kennengelernt. Also war das schon auch eine wichtige Station. Durch den Laden habe ich neue Leute kennengelernt, bin ins Bloggen gekommen. Als ich später in Brandenburg gelandet bin und die Corona-Pandemie kam, musste ich mich wieder neu erfinden. Und plötzlich war ich in diesem Instagram-Ding. Für mich war aber immer klar, dass ich keine Outfits tanzen möchte. Und mit KI und der Digitalisierung war auch klar, dass meine Karriere als Journalistin endet.
Mein Mann hat mir irgendwann gesagt, dass der Punkt, an dem ich ausgesorgt habe, nie kommen wird. Und mir wurde klar: Wenn dieser Punkt nie kommt und ich 90 werde, habe ich ja noch voll viel Zeit. Das ist seitdem mein Beat. Deshalb habe ich dann auch gedacht: Jetzt mache ich Schluss mit allem anderen. Ich will wirklich nur noch das machen, was mir Spaß macht.
Und das war dann die Initialzündung für SOULSPORTS?
Ehrlich gesagt bin ich in eine Pilates-Lehrer-Ausbildung geschlittert - einfach nur, weil ich eine Freundin begleitet habe. Ich hatte davor noch nie Pilates gemacht und bin dann direkt in die Ausbildung gegangen. Super arrogant - ich dachte, ich mache Yoga, also kann ich das. Aber das war so intensiv und ich musste mich wirklich darauf einlassen.
Parallel lag in Köln mein Schwager im Sterben. Einen Tag vor der Prüfung ist Basti gestorben. Ich wollte sofort nach Hause fahren und alles abbrechen - aber meine Familie hat mir gesagt, dass ich den Kurs zu Ende machen und erst danach kommen soll.
Und dann habe ich mich auf diese Matte gesetzt und gedacht: Wie schaffe ich das jetzt, ohne zu heulen und trotzdem die Prüfung zu bestehen? Und plötzlich war ich einfach da und habe alles angewandt, was ich gelernt habe. Meine Prüferin meinte danach, sie wisse nicht, was ich vorhabe, aber ich sollte unterrichten.
Das war meine Initialzündung - dass man nicht mehr auf die Matte geht, um einen geilen Arsch zu bekommen, sondern wirklich, um diese innere Stärke aufzubauen. Das sind unsere Muskeln, das sind ja wir. Das kommt von innen.
Was genau ist SOULSPORTS - und was machst du heute anders als früher?
Ich habe Sport früher nur aus der Motivation gemacht, jünger zu werden. Mein Leben lang Diäten oder irgendwelche Challenges - und nie eine grundlegende Veränderung. Ständig dieses Kreisen um den Körper. Irgendwann habe ich gedacht: Ich bin jetzt Mitte 40 - wann bin ich denn mal bei mir und mit mir zufrieden?
Ich wollte eine Methode finden, die anders ist, die mich anders motiviert, auf die Matte zu gehen. Dann kam die Pilates-Lehrerinnen-Ausbildung und der Gedanke: "Es muss Bauch, Beine, Seele heißen - nicht Bauch, Beine, Po." Ich habe das am Anfang einfach für mich allein gemacht. Und irgendwann habe ich gemerkt, dass ich so aussehe, wie ich immer aussehen wollte. Aber der Weg war ein ganz anderer - keine sechs Wochen, eher zwei, drei Jahre. Ich habe immer gegen mich gekämpft, aber nie mit mir zusammengearbeitet. Das habe ich am meisten verändert.
Meine Routine: jeden Tag 15 bis 30 Minuten auf die Matte. Der Tag hat 1440 Minuten - da müssen 15 Minuten für mich drin sein. Ich versuche wirklich ganz fokussiert, mich stattfinden zu lassen. Die Waschmaschine ist nicht wichtiger, der Zara-Sale ist nicht wichtiger. Der Körper merkt, wenn man ihm etwas Gutes tut - und dann will er mehr.
Alexa im Interview bei Drinks & Dings
Du hast SOULSPORTS ohne fremdes Geld gegründet, ohne Businessplan. Was hat dich so mutig sein lassen - und was hast du investiert?
Wenn ich mir selbst nicht glaube, wer soll mir dann glauben? Ich muss mein größter und erster Fan sein. Das ist mein Herzensprojekt - das, wo ich morgens aufwache und mich auf den Tag freue. Das habe ich bei vielen anderen Sachen nicht.
Und ich wollte erst mal mit meinem eigenen Geld in die Idee gehen und nicht mit fremdem Kapital oder einem Kredit. Einfach weil ich davon überzeugt bin, dass es das ist, was mir am allermeisten Freude macht. Und es wächst. Langsam, aber es zieht immer größere Kreise.
Mit dem Markenrecht hätte ich nicht gerechnet. Ich konnte es kaum glauben, dass die Marke "SOULSPORTS" nicht geschützt ist - und bin dann vollkommen durchgedreht. Aber der Anwalt hat mich schnell von meinem wilden Pony geholt: Es gibt in Korea eine Wrestling-Firma, die SOULSPORTS heißt. Und dann hat mich die Firma FreeSoul halb verklagt.
So eine GmbH auf die Beine zu bringen kostet ungefähr 25.000 Euro - Markenrecht nochmal 2.000 bis 3.000 Euro. Aber das ist Geld, das ich gerne ausgebe.
Alexas Flow bei Drinks & Dings
Was ist SOULSPORTS heute - und was soll es noch werden?
Ich mache jetzt Flows in verschiedenen Städten - in Deutschland, Österreich, sogar auf Bornholm. Es gibt vier E-Books, das nächste heißt "Sixpack im Kopf" und geht um mentale Stärke. Und ich möchte ein Online-Studio aufbauen. Als One-Woman-Show hat man immer viele Visionen. Ich habe mich aber auch eine Weile in KI-Strategien verzettelt. Und jetzt muss ich das alles erst mal auf die Straße bringen, also gerade ein bisschen zurückstapeln.
Ich kann von SOULSPORTS noch nicht leben. Aber das hält mich nicht davon ab, es zu machen. Was mich am meisten antreibt: Ich glaube, viele Frauen sind einsam - wollen Freundinnen finden, neue Kontakte. Im Sportbereich entwickelt sich gerade total viel, sodass man eine echte Gruppe hat. Das ist mein Traum für SOULSPORTS - eine echte Gemeinschaft. Und natürlich das Thema Perimenopause: die Jahre vor und nach der Menopause mit starken hormonellen Schwankungen. Dass Frauen darüber sprechen und sich austauschen. Dafür braucht es echte Begegnungen.
Du bist 48 und fängst nochmal neu an. Macht dir das Angst?
Nicht wirklich. Ich kann ja nicht mit 67 in Rente gehen - das Datum gibt es in meinem Leben nicht. Ich werde arbeiten, bis ich umfalle. Und ich habe ja noch so viel Zeit - ich hoffe, dass ich das noch 20 bis 25 Jahre machen kann.
Ich dachte immer, ich muss bis 67 überall einen Haken haben - an der Rente, an den ETFs, am Haus. Alles abbezahlt und dann bin ich frei. Aber das wird bei mir eh nicht so sein. Und insofern versuche ich mich darauf zu konzentrieren, dass ich jetzt Spaß habe bei dem, was ich mache.
Was würdest du jemandem raten, der denkt: Ich bin zu alt dafür - oder: Das bin doch nicht mehr ich?
Coachings - nach wie vor das beste Mittel. Mit jemandem zu sprechen, der einen Blick von außen hat. Ich lasse mich die ganze Zeit coachen. Ein Thema war über Jahre: Was ist denn mein Ding? Bis rauskam, mein Ding ist die Veränderung. Ich bin eine Scanner-Persönlichkeit, ich kann immer wieder in neue Themen eintauchen und ich brauche das auch.
Coaching bedeutet einfach immer wieder, sich zu vergewissern: Man weiß doch, was man kann. Manchmal braucht es so einen Stupser - jemanden, der einem sagt, er sieht das bei einem. Und dann ist man gleich in einem ganz anderen Gefühl.
Und von der Angst vor dem Geld würde ich mich auch nicht abhalten lassen. Mein Bruder ist Steueranwalt und der sagt immer zu mir: "Lexi, das ist nur ein Zahlenproblem. Das kannst du lösen." Ich bin selbstständig, seit ich 22 bin und konnte immer meine Steuer zahlen. Es hat immer irgendwie geklappt.
Team SOULSPORTS bei Drinks & Dings
Vielen Dank für das tolle Interview, liebe Alexa! Folgt SOULSPORTS und Alexa gerne auf Instagram oder schaut euch ihre Website an.
Fotos: Alicia Minkwitz (Portraits Alexa), Franziska Freiwald (Drinks & Dings)